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Gerhard Trieb
Gerhard Trieb wurde 1958 in Kapfenberg in der Steiermark geboren. Im Zentrum seines bildhauerischen und zeichnerischen Werks steht die Beschäftigung mit dem Quadrat und dem Kubus. Gemeinsam ist beiden Bereichen das gleiche formale Grundvokabular, einmal in der dreidimensionalen Ausführung, das andere Mal als Zeichnung, wobei das Flach- und Hochrelief der Skulpturen diese Nähe noch unterstreicht. Beide Bereiche sind in vielfältiger Weise aufeinander bezogen, stehen aber für sich und sind auch genetisch unabhängig. Die bildhauerische Arbeit beginnt Mitte der achtziger Jahre mit monolithischen Blöcken, die dann zu Kuben unterschiedlichen Formats weiterentwickelt werden, mitunter auch zu Stelen. Die aus dem Steinbruch gewonnenen Quader aus ausgesuchten Marmor- und Granitadern werden in die entsprechende Form gebracht; in den Block wird sodann das Netz unterschiedlicher Breite und Tiefe gefräst, woran sich die eigentliche Meißelarbeit anschließt. Und je nach Dichte und Tiefe der Einschnitte und dem Grad der Bearbeitung entstehen sehr verschiedene Würfelformen, Reliefstärken und Oberflächenwirkungen, vom zarten, homogenen Relief, das die Oberfläche in Schwingungen versetzt, bis zu markanten, plastisch belebten und von einer Spannung erfüllten Gestaltbildungen. Darüber hinaus erschließt das Relief quasi das Innere des Steins, veranschaulicht das Verhältnis von filigraner Wirkung und stofflicher, materialer Kompaktheit, das ruhende Sein der lastenden Blöcke. Die Entscheidung für das Quadrat enthält zudem vielfältige historische Implikationen und ist reich an inhaltlichen Bezügen – auch und gerade in seiner Absolutheit und seiner Bedeutung als kodifizierte Form. Es handelt sich um eine weit verzweigte Tradition, der sich Trieb verpflichtet fühlt, wenn er etwa eine Arbeit zu Albrecht Dürers Melancholia-Stich, der dem magischen Quadrat einen zentralen Platz zuweist, ausführt und, in Weiterführung und inhaltlicher Vertiefung, zur Dürerschen Apokalypse. Aus dieser Tradition, auf der Basis einer archaischen Grundverfasstheit, werden neue Wege der Annäherung an den Gegenstand erforscht, die seine noch unerschlossenen Ausdruckspotentiale freilegen. Untersuchungen haben sich von unterschiedlicher Seite dem Werk von Gerhard Trieb genähert. Unter anderem beschäftigte sich eine Publikation eingehender mit den Zeichnungen des Künstlers, zu seinen Dürervariationen legte Friedhelm Mennekes eine profunde Untersuchung vor, während in einem ausgreifenden und grenzüberschreitenden Versuch das skulpturale und zeichnerische Werk in den Zusammenhang der jüngeren Geistesgeschichte gerückt wurde (Ch. Renfert, Melancholie und Expressionismus). |