|
home >
Künstler >
Katia Liebmann
Katia Liebmann Kunststudium in Nürnberg und Berlin 1991 bis 1995. 1995 DAAD Stipendium für London, dort am Royal College of Art 1997 Master of Art. 1997 Studien- und Lehraufenthalt an der New York University. 1997 nominiert für den Citibank Photography Prize, London. 2000 Stipendium Hasselblad Center Göteborg. 1998-2002 Gastdozentur am London College of Printing und Royal College of Art. Seit 2002 Dozentin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, dort Leiterin der Druckgraphischen Werkstätten. Katia Liebmann konzentriert sich in ihrer fotografischen Arbeit auf die einfachen Techniken und arbeitet grenzüberschreitend, indem sie Vorstellungen des Films sowie graphische und malerische Verfahren mit einbezieht. Ausgangspunkt war dabei der Wunsch, sich selbst so weit es geht zurückzunehmen, sich mehr als Medium zu begreifen. In ihren „Seismogra-fischen Aufzeichnungen“ nahm sie in der Radierwerkstatt beschichtete Radierplatten auf Busfahrten mit. Die Radiernadel liess sie im Rhythmus der Erschütterungen über die Platte gleiten, während die andere Hand, ohne durch den Sucher zu blicken, den Auslöser der Kamera betätigte. An die Stelle der Radierplatte können auch grossformatige Papiere treten, auf denen sich direkt die zeichnerischen Spuren finden. Beide Vorgänge wurden später miteinander verbunden, indem der Abzug von der Radierplatte (oder die Zeichnung) lichtempfindlich gemacht und mit einem Motiv der Fahrt belichtet wurde. Für die Wirkung ist wichtig, dass die Emulsion in den grauen schlierigen Streifen und Flächen sichtbar ist, was den Blättern ihren malerischen Charakter verleiht. Daraus entwickelten sich die langen, filmstreifenähnlichen Bildstreifen. Zu Fuss oder aus Verkehrsmitteln wurde der Auslöser betätigt, im Rhythmus des Ganges oder der Bewegung der Bahn, des Busses. Verwendet wurde auch hier eine einfache Kamera mit Plastiklinse. Diese Einzelbilder wurden dann im Labor aneinandergefügt, auch zum Teil übereinander geblendet, also ein filmisches und fotografisches Verfahren verbunden. Die Realität wird in Sequenzen zerlegt und neu zusammengesetzt, die Momente bekommen etwas Flüchtiges, Verfließendes und eine wie beiläufige Poesie, werden zugleich in der neuen Sicht besonders intensiv erfahrbar. Das gilt genauso für die Einzelbilder, in denen diese Vorstellungen gebündelt sind, die Unschärfen durch die Bewegung der fotografierenden Hand oder des Busses, die Teilüberblendungen mit dem Spiegelungseffekt, der sich real in den Wasserbildern der Museumsinsel findet, die grosse atmosphärische Dichte. |